Gier, Hass und Verblendung nennt man kilesa und übersetzt wird das unglücklicherweise als Befleckungen des Herzens. Wenn es nur Befleckungen wären. Stellt Euch vor, in unserem Herzen hat es Stacheln, die sind innen hohl und darin befindet sich Gift. Ein jedes Mal, wenn so ein Stachel berührt wird, spüren wir einen Schmerz, aus dem Stachel spritzt Gift ins Herz und wie wenn das noch nicht genug wäre, wenn wir diesem Vorgang nichts entgegen setzen, dann wächst der Stachel und die Toxizität des Giftes erhöht sich. Ein jedes bewusstes oder unbewusstes JA zu Gier und Hass, stärkt sie und schwächt das dhamma. Wenn wir es nicht sofort angehen und uns gegen die kilesa auflehnen, dann werden sie so gross, bis wir zum Dieb und/oder Mörder werden. Das mag vielleicht nicht schon in diesem Leben geschehen, aber es wird. 

Gier und Hass, anders ausgedrückt bedeutet das "Ich will!" und "Ich will nicht!", oder "Ich mag!" und "Ich mag nicht!" Würden Gier und Hass nur alleine dastehen, dann hätten wir es zwar schwer genug, aber sehr viel einfacher als mit der Verblendung im Hintergrund. Die Verblendung tarnt nämlich Gier und Hass, so dass sie sehr schwer zu erkennen sind. Da nimmt die Verblendung Gier und/oder Hass, verpackt sie in wunderschönes Geschenkpapier, bindet eine rote Schleife drum und schreibt Liebe drauf und alle Menschen denken, die Liebe sei das Gegenteil von Hass. So verblendet sind wir. Ein paar wenige Sprachen kennen die Liebe als Gier, zum Beispiel Spanisch, dort heisst es entweder "Ich liebe Dich" oder "Ich begehre Dich". Ob die spanisch sprechenden Buddhisten auch davon ausgehen, Liebe sei etwas heilsames, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch die, in manchen Kreisen lautstark propagierte bedingungslose Liebe, ist pure Illusion. Alle Menschen, die die vierte und letzte Stufe der Erwachung noch nicht erreicht haben, funktionieren auf Bedingungen. Die haben es noch nicht geschafft, sämtliche Bedingungen zu überwinden.

Mir ist auch schleierhaft, weshalb im deutschsprachigen Raum den kilesa so wenig Beachtung geschenkt wird. Schliesslich sind Gier und Hass unsere allerersten Gegner, die wir bekämpfen müssen. So jedenfalls Lehren es die Ehrwürdigen Lehrmeister, jene welche alle Kämpfe gewonnen haben. Und der Erhabene Buddha lehrt uns genau das. Aber wie so oft, es ist harte Arbeit und die scheut der Mensch.

Nehmen wir mal den Hass als Beispiel. Wir lesen in der Zeitung, dass ein Täter eine schlimme Tat begangen hat. Wieso fühlen wir uns eigentlich dazu berufen, den Täter zu verurteilen? Wer bitte schön gibt uns das Recht dazu? Würden wir uns mal überlegen, was die Ursache ist, die einen Menschen zum Täter macht, dann würden wir den Automatismus des Urteilens unterbinden. Der Mensch wird nur dann zum Täter, wenn er hohes dukkha in seinem Herzen hat. Im Augenblick, wenn wir urteilen, ist das bei uns auch der Fall und so werden wir auch zum Täter, auch wenn unsere Tat "nur" das Fällen eines Urteiles ist. Wären wir gute Menschen, dann würden wir mit dem Täter Mitleid empfinden, Mitleid und Wohlwollen. Wir würden wollen, dass es ihm gut geht und er fortan nicht wieder zum Täter wird. Dann, ja dann wären wir gute Menschen. Solange wir aber urteilen, teilen wir Situationen in gut und schlecht, richtig und falsch ein. Und was bitte schön ist das anderes als "Ich mag!" und "Ich mag nicht!"? Was ist das anderes als Gier und Hass?

So töricht sind wir Menschen, dass wir uns von der Verblendung täuschen lassen, wir seien anders und vor allem besser als andere. Und dann laufen wir mit ausgestrecktem Zeigefinger durch unseren Alltag ohne zu merken, dass zwar der eine Zeigefinger weg von uns zeigt, Mittel-, Ring- und kleiner Finger aber auf uns selbst zeigen. Das ist ein Verhältnis von 3 zu 1. Wir müssen aufpassen, liebe Freunde, Scheinheiligkeit trifft gerne auch Buddhisten.

 

Wir haben mit anicca, anattā und dukkha bereits drei der vier Daseinsmerkmale kennen gelernt. In diesem Artikel wollen wir den Überblick nun vervollständigen und uns asubbha zuwenden. Asubbha fristet in weiten Teilen der buddhistischen Traditionen, ja selbst in einigen Ablegern der Waldtradition ein stiefmütterliches Dasein. Weshalb dem so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn wir uns aber dem Thema zuwenden und in die Tiefe gehen, vor allem und gerade während der Praxis, dann kann ich mir schon denken, weshalb die allermeisten Lehrer asubbha aussen vor lassen. Der Erhabene Buddha hat dieses Thema nicht ausgelassen und für die dhutangā kammatthāna bhikkhus, gehört asubbha bis zur dritten Stufe des Erwachens, dem anāgāmi, zum Praxisalltag.

Asubbha hat zwei Aspekte, die wir uns ansehen wollen, dann verstehen wir auch sofort, was asubbha bedeutet. Da steckt Unschönheit und Unreinheit drin. Während wir alle davon ausgehen, unser Körper sein rein und schön, ist er in der Wirklichkeit unrein und unschön. Das gilt es im Herzen zu verstehen, dann lässt es den Körper los.

Zweitens, wenn immer wir die Übungen mit asubbha durchführen und hartnäckig genug dran bleiben, kommt Hass hoch. Mal in Form von Ekel, mal in Form einer starken Ablehnung, mal in anderen Form, welche wir immer auf Hass zurückführen können. Um den Hass überwinden zu können, müssen wir ihn erst Mal kennen lernen und wissen, wie er entsteht. die Praxis der asubbha holt diesen Hass hervor und da wir uns in der Praxis in einem Laborähnlichen Zustand befinden, kann er nichts anrichten. Voraussetzung ist, dass wir Übungen nur dann durchführen, wenn wir alleine sind. Dies soll auch eine ernstgemeinte Warnung sein. Ein, durch asubbha ausgelöster Hass, kann nicht kontrolliert werden. Er springt ein jeden an, der sich gerade in unserer Nähe befindet. Also bitte, seid hierin vorsichtig. Wenn wir aber alleine sind, der Hass kommt hoch, dann ist er so gewaltig, dass wir ihn wunderbar untersuchen können. Je reiner der Hass ist, je weniger Verblendung zugegen ist, desto klarer sehen wir Hass, seine Zusammensetzung und seine Quelle.

Genau gleich wie bei anicca und anattā, untersuchen wir unseren Körper im Hinblick auf asubbha und subbha. Beginnen tun wir bei den fünf äusseren Teilen des Körpers, dem Kopfhaar, dem Körperhaar, Zähne, Nägel und der Haut. Wenn wir in einem dieser fünf Teile subbha entdecken, dann lassen wir uns noch an der Nase herumführen. Natürlich ist das lange Haar einer Frau wunderschön, aber doch nur wenn es noch am Kopf angewachsen ist. Kaum fällt es uns in die Suppe, erkennen wir asubbha sehr schnell.

Sehr viele Menschen haben einen hohen Grad der Selbstverleugnung, die behaupten nämlich, sie würden die 'inneren Werte' des Partners lieben und nicht etwa das Aussehen. Diesen Selbstbetrug können wir sehr schnell enttarnen, stellt Euch einfach den Partner vor, wie er nackig vor Euch steht und dann zieht im die Haut ab. Wollt Ihr jetzt wirklich diese blutigen Lippen küssen? Oder wollt Ihr diesen hautlosen Körper umarmen? Hand aufs Herz, Ihr wollt Euch das nicht mal vorstellen, da kommt der Hass in Form von Ablehnung und Ekel schon vorher hoch. Und so langsam wird auch klar, weshalb asubbha nur selten gelehrt wird, Ihr wollt es nicht hören und der entsprechende Lehrer auch nicht. Die asubbha Praxis ist gewöhnungsbedürftig, wie man sich daran gewöhnt, erkläre ich in der Praxis. Sie ist aber ein sehr effizientes Mittel in viele Dinge einzusehen, die uns sonst verborgen bleiben.

Dhamma beinhaltet zwei Komponenten. Die erste ist die Wahrheit, Soheit, Wirklichkeit. Mich persönlich fasziniert der Begriff Soheit, denn er deutet darauf hin, das es so ist, wie es ist. Das heisst, Soheit ist das Gegenteil von Illusion. Die zweite Komponente von dhamma ist der Weg, der zur Soheit führt, oder anders ausgedrückt, die buddhistische Lehre.

In diesem Artikel bleiben wir bei der ersten Komponente das dhamma im Sinne von Wahrheit, Soheit und Wirklichkeit. Wir können uns dieses dhamma als eine Ebene vorstellen. Eine Ebene, die zu weiten Teilen im Verborgenen liegt, zumindest aus unserem derzeitigen Blickwinkel. Über dem dhamma liegt eine zweite Ebene, die wir konventionelle Realität nennen. Diese Ebene sehen wir, sie ist uns bestens vertraut, wir leben in ihr und gehen davon aus, sie sei Realität. Ist sie aber nicht, sie ist nur eine konventionelle Realität.

Wir müssen uns ein paar Gedanken über das Wort Konvention machen. Eine Konvention ist eine Übereinkunft. Die Wörterbücher kennen nur die Konventionen von Gruppen und Gesellschaften, wir müssen aber tiefer gehen, denn jeder Mensch erschafft sich seine eigenen Konventionen. Ein Beispiel einer gesellschaftlichen Konvention ist der Sonnenaufgang. Seit Kopernikus und Gallileo Gallilei wissen wir, dass die Sonne nicht auf und auch nicht unter geht. Trotzdem sprechen alle von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Was auf der dhamma-Ebene eine Illusion ist, haben wir auf der konventionellen Ebene zur Realität deklariert.

Wenn wir unser gegenwärtiges Dasein analysieren, dann merken wir im verlaufen tausender Stunden buddhistischer Praxis, wie gross die Disharmonie zwischen dhamma und konventioneller Realität ist. Unser Bestreben in der Praxis ist, scheibchenweise Disharmonie abzubauen und unsere individuelle Realität der Soheit anzupassen.

Dazu ein Beispiel aus dem Thema kamma. Dass nur derjenige ermordet wird, der früher selbst gemordet hat, wollen wir auf der konventionellen Ebene nicht wahrhaben. Das löst eine ganze Reihe von schlechtem kamma bei uns aus. Beispielsweise bedauern wir das Opfer und wir hassen den Täter. Hätten wir beide Ebenen bereits harmonisiert, dann würden wir sowohl Opfer, als auch Täter mit mettā und zwar in gleichem Masse, bedenken. Denn beide sind sowohl Täter, als auch Opfer, nur zeitlich und über verschiedene Leben versetzt.

Ein ganz anderes Beispiel für die beiden Ebenen möchte ich hier anfügen. Für mich persönlich war es nicht nur ein Meilenstein meines buddhistischen Weges, sondern weit mehr. Goethe lässt den Faust einsichtig ausrufen: "Zwei Seelen wohnen Ach in meiner Brust!" Er trifft den Nagel genau auf den Kopf, auch wenn wir in der buddhistischen Terminologie nicht von Seele sprechen. In unserer Brust wohnen zwei Mächte und diese beiden Mächte waren mal Eins. Irgendwie ist dieses Eins in zwei Hälften zerbrochen. Wenn wir nibbāna erreichen, dann vereinen wir die beiden Mächte wieder. Ein Arahat nennt man Heiliger, weil er den Bruch in seiner Brust geheilt hat, er ist heil geworden.

Wenn Eins in zwei Häften zerbricht, dann fehlt der einen Hälfte die andere und umgekehrt. Genau das führt zu unserer tiefen Sehnsucht, uns geborgen zu fühlen, uns gut aufgehoben zu fühlen und Zuhause zu fühlen. Ganz tief in uns drin scheint eine Erinnerung an damals zu schlummern, damals als wir heil und Eins waren und diese Erinnerung löst die Sehnsucht aus. Aus dieser Sehnsucht, gepaart mit unserer unendlichen Dummheit, versuchen wir auf falschem Wege wieder Eins zu werden. Wir denken, dass wenn wir uns eine schöne Wohnung oder gar ein schönes Haus zulegen, dann wären wir Zuhause, geborgen so wie damals, vor vielen Milliarden Leben. Oder wir betäuben unseren Geist durch Alkohol, Drogen und Psychopharmaka. Oder wir gehen Beziehungen ein, wir suchen unsere 'bessere Hälfte', den passenden Deckel auf den Topf. Oder wir erarbeiten uns Macht und Ansehen im Beruf, oder im Sport, oder versuchen uns im Hobby selbst zu verwirklichen. Auch Kinder, Besitztümer und Haustiere haben nur einen einzigen Zweck, wir wollen wieder Eins sein.

Aber wie können wir unser gebrochenes Herz einen, wenn wir unsere Aktivitäten ausserhalb dieses kaputten Herzens geschehen lassen. Der buddhistische Weg der Praxis geht nicht nach aussen, sondern nach innen. Die Praxis lässt unser Herz gesunden, die zwei Mächte vereinen sich wieder und wenn wir letztlich geheilt sind, ist die tiefe Sehnsucht gestillt. Dass diese Worte nicht nur Theorie oder gar Blabla sind beweisst uns das appanā-samādhi. In der vollen Sammlung nämlich vereinen sich die beiden Mächte in einem einzigen Punkt. Der Geist befindet sich im ekaggatā, wir sind Zuhause, solange wir im appanā-samādhi verweilen. Der Ehrwürdige Lehrmeister Maha Bua lehrte seine Schüler, dass dieser Geisteszustand die Vorschau auf nibbāna sei. Wer diesen Zustand einmal erlebt hat, weiss, was absolutes Glück wirklich ist, denn er war Zuhause.

Menschen ohne diese tiefe Samādhierfahrung fühlen sich schnell mal alleine und einsam, was eine Form von dukkha ist und feine, aber auch grobe Züge annehmen kann. Dass wir immer und überall alleine sind, ist uns gar nicht bewusst. Hier klafft die Soheit und unsere individuelle Realität meilenweit auseinander. Während der Schwangerschaft beispielsweise kommen sich Mutter und Kind sehr nahe, so nahe wie möglich. Aber sowohl Mutter, als auch Kind, sind alleine. Während der Geburt sind beide ganz alleine, auch wenn im Gebärsaal Arzt, Hebamme, Schwestern, sowie Mann und Vater auf die Niederkunft warten und helfend beiseite stehen. Das ganze Leben über sind wir alleine, auch wenn wir uns mit Freunden zum Essen und guten Gesprächen treffen, oder zu Zeiten, als wir mit 20 anderen Kinder die Schulbank drückten. Ja selbst beim wohl intimsten Moment, dem Geschlechtsverkehr, wo der eine im anderen drin steckt, sind beide alleine. Und irgendwann kommt der Tod und dann sterben wir auch ganz alleine. Es spielt keine Rolle, ob uns jemand die Hand hält und liebevoll mit uns spricht, oder ob wir einsam und alleine irgendwo in der Wildnis in einer Einsiedlerhöhle sterben, wir tun es auf jeden Fall alleine. Das was wir von Zweisamkeit erhoffen, kann und wird niemals eintreffen, weil dies eine Erwartung der konventionellen Ebene ist und nicht in Einklang mit der Ebene des dhamma steht.

Die Dhammaebene ist, wie es ist, die Soheit. Die konventionelle Realität können wir verändern, indem wir die Rechte Ansicht entwickeln. Die rechte Ansicht ist ja der erste Edle Pfad. In der Regel wollen wir aber nicht die Rechte Ansicht kultivieren, sondern, arrogant, dumm und überheblich wie wir Menschen nun mal sind, soll sich gefälligst das dhamma an unsere Ansicht anpassen. Wir versuchen seit vielen Milliarden von Leben dieses dhamma an unsere individuelle Wahrheit anzupassen und für diesen aussichtslosen Kampf haben wir unendlich viel Zeit und Energie. Sobald wir uns aber im dhamma üben wollen, haben keine Zeit, oder wir werden sehr schnell müde. Da stimmt doch etwas nicht! Wieso streben wir nicht danach, Mitgestallter in einer Dhammagemeinschaft zu sein? In einer Gemeinschaft deren Symbiose einen deutlichen Mehrwert für alle ergibt. Anstelle dessen tun wir uns in Gemeinschaften und Beziehungen zusammen, wo eine Illusion angestrebt wird und sehr oft, alle Mitglieder als Verlierer vom Platz gehen.

So verhält es sich mit den zwei Ebenen von konventioneller Realität zum dhamma. Eine jede Ebene hat eine eigene Sprache. Aus Sicht des dhamma gibt es nur zwei Sprachen. Jene des dhamma und jene der Worte. Englisch, Französisch, Deutsch, Thailändisch, das ist alles ein und die selbst Sprache, jene der Worte. Die Sprache der Worte findet im Geist statt, Worte sind Bestandteil von Denken. Dhamma fängt aber erst dann an, wenn Denken aufhört, denn erst dann kann das Herz seine Arbeit tun und dhamma freilegen. Deshalb lehrte der Erhabene Buddha den Weg der Praxis und nicht jenen der Theorie. Er empfahl keinem Mönch und keinem Laien, den Palikanon zu studieren. Er empfahl niemandem, irgendwelche Glaubenssätze aufzusagen und zwar solange, bis die Befreiung eintritt. Er empfahl, den Edlen Achtfachen Pfad zu gehen, das und nichts anderes empfahl er.

Ein Thema, welches der Erhabene Buddha darlegte, bevor er auf den Kern seiner Lehre zu sprechen kam, ist die Gefahr der Sinnesbegierde, manche übersetzen es auch als Gefahr der Sinnesgenüsse. In der Schule haben wir gelernt, der Mensch hätte fünf Sinne.

  1. Der Sehsinn, der mittels Augen sieht, Farben und Formen wahrnimmt;
  2. Der Hörsinn, der mittels Ohren hört, Geräusche wahrnimmt;
  3. Der Geruchsinn, der mittels Nase riecht, Gerüche wahrnimmt;
  4. Der Geschmackssinn, der mittels Zunge schmeckt, Geschmäcker wahrnimmt;
  5. Der Tastsinn, der mittels Körper spürt, körperliche Gefühle wahrnimmt;

Wir haben also jene fünf Sinne gelernt, die der Erhabene Buddha als körperliche Sinne bezeichnet. Die buddhistische Lehre benennt noch einen sechsten Sinn, nämlich den geistige Sinn, der mittels Denken arbeitet. Wieso unsere Schulen diesen Sinn nicht lehren, ist mir ein Rätsel. Die deutsche Sprache kennt diesen sechsten Sinn. Immer dann nämlich, wenn uns etwas 'nicht in den Sinn' kommen will, werden wir an den geistigen Sinn erinnert. Unsere Sprache kennt auch den siebten Sinn, die Vorahnung. Dies kann nur dann der siebte Sinn sein, wenn vor ihm ein sechsten existiert. Für mich sind solche Beispiele etwas wunderschönes, denn wir haben mit dem Deutschen eine weise Sprache. Daraus dürfen wir nicht ableiten, dass wir, die Benutzer dieser Sprache weise wären, aber unsere Sprache beherbergt durchaus viele buddhistische Weisheiten.

Zurück zu den sechs Sinnen und ihren Begierden, respektive den Genüssen. Darin liegt die Gefahr, dass wir uns nicht auf den Weg der Befreiung machen und die Gefahr, dass wir den Weg der Befreiung wieder verlassen. 

Um der Gefahr auf die Spur zu kommen, müssen wir hinter Genuss und Begierde schauen und genau hinsehen, wer nach sinnlichen Begierden giert? Es ist die Gier, die nach Begierde giert, so komisch das im ersten Moment klingen mag. Und wo die Gier ist, sind Hass und Verblendung nicht weit. Gier, Hass und Verblendung nennen wir in Pali kilesa. Die Gier will, der Hass will nicht und die Verblendung sorgt dafür, dass wir davon nicht mitbekommen. 

Sinnesbegierde und Sinnesgenüsse sind Werkzeuge der kilesa, unserem ärgsten Feind auf dem Weg zur Befreiung. Wenn wir die sīla für Laien genau anschauen, dann hat ein normaler Laien mit den fünf sīla noch keine Einschränkung betreffend Sinnesgenüsse zu erdulden. Wer sich aber dazu entschliesst, zeitweise oder ganz die acht sīla auf sich zu nehmen, der zügelt seine Sinne bereits mit den drei zusätzlichen Regeln und wer sich entscheidet Mönch zu werden, der hat viele weitere Regeln und bei uns Waldmönchen ganz besonders die 13 dhutangā kammatthāna, mit denen er sich schult. Einzelne dieser 13 Übungen können auch für Laien sinnvoll sein, weshalb ich sie unter dem Link Praxis erläutern werde.

Vorerst sollen wir sensibilisiert werden, dass in den Sinnesbegierden Gefahren drinstecken. Beginnen wir genau hinzuschauen, dann erkennen wir sie. 

Khandha gibt es deren fünf, man übersetzt es als Ansammlung, Anhäufung, Daseinsgruppen oder schlichter als Gruppen. Die khandha ist das einzige, was wirklich ist. Alles was wir aus diesen fünf khandha zusammen mischen, ist Illusion. Wir kennen folgende:

  1. rūpa-khandha, Körper mit den fünf körperlichen Sinnen (sehen, hören, riechen, schmecken und tasten)
  2. vedanā-khandha, körperliche Gefühle und geistige Gefühle mit je drei Arten (Wehgefühl, Wohlgefühl, neutrale Gefühle)
  3. saññā-khandha, Erinnerung und Assoziation
  4. sankhāra-khandha, Gedanken mit dem sechsten Sinn (denken)
  5. viññāna-khandha, Bewusstsein

Mit diesen fünf Gruppen mischt sich unser Geist seine Illusionen zusammen und diese sind zahlreich. Wissenschaftliche Studien der Psychologen und Neurologen belegen, dass (je nach Studie) 95% bis 97% unseres Lebens Illusion sind und nur 3% bis 5% Realität. Man muss sich diese Zahl mal vorstellen, dann beginnen wir zu begreifen, was Albert Einstein meinte als er sagte, die Dummheit der Menschen sei grenzenlos.

Um uns unsere Illusionen klar zu machen, müssen wir ein jedes Erleben soweit zerlegen, bis wir die Stufe der khandha erreicht haben. Ich erkläre das am Beispiel eines Milchkaffees (Illusion), welcher aus fünf Bestandteilen besteht. Erstens Kaffee, zweitens Wasser, drittens Hitze, viertens Milch und fünftens Zucker. Nur eine Mischung mit allen diesen fünf Komponenten, ergibt einen Milchkaffee. Lassen wir Milch weg, ist es zwar noch ein Kaffee, aber eben keinen Milchkaffee. Lassen wir die Hitze weg, ist es nur kalter Milchkaffee. Es bedarf also einen konkreten Mischung und diese Mischung kann von Fall zu Fall variieren. Ist zuviel Kaffee drin, schmeckt er zu bitter, bei zu viel Zucker, ist er süss.

Genau so verhält es sich mit den fünf khandha, wie sie oben aufgelistet sind. Angst ist eine Mischung aus den fünf khandha, Schmerz genauso, Hunger, Durst, Müdigkeit, und vieles weiteres mehr, ist eine Mischung aus den fünf khandha und deshalb eine Illusion. Nehmen wir beispielsweise Schmerz. Ein jeder Schmerz hat eine andere Zusammenmischung. Selbst wenn wir eine Stunde lang Kopfschmerzen haben, dann ist dieser eine Kopfschmerz in Wahrheit jeden Augenblick neu zusammengemischt. Schmerz besteht immer aus einem körperlichen und einem geistigen Wehgefühl, dann kommen noch ein paar Erinnerung, Assoziationen und das Bewusstsein hinzu und schon hämmert es in unserem Kopf, dass wir meinen, wir müssten die Wände hochgehen. Es ist nicht einfach zu verstehen, wie eine Illusion uns so stark weh tun kann und deshalb halten wir diese Illusion für die Realität.

Zusammen mit den fünf khandha, müssen wir die vier Daseinsmerkmale aufzählen, aniccaanattāasubbha und dukkha. Alle diese fünf khandha sind aniccaanattāasubbha und verursachen, wenn wir uns daran festhalten, dukkha.