Wenn wir im weltlichen Leben etwas lernen wollen, beispielsweise Autofahren, dann gehen wir zum Fahrlehrer und nehmen bei ihm Fahrstunden. Er wird uns in Theorie und Praxis lernen, wie man Auto fährt. In solchen Fällen, egal ob wir einen Kochkurs, eine Sprache lernen wollen, oder in unserem Beispiel eben Autofahren lernen wollen, wissen wir ganz genau, dass wir nichts können und nichts wissen.

Ganz anderes wenn wir dem dhamma-vinaya begegnen. Da 'wissen' wir ganz genau, dass wir auf dem richtigen Weg sind und auch die richtige Ansicht haben, wir erleben unser Leben ja tagtäglich und das seit Geburt. Auf die Idee, das unser Wissen eben kein Wissen, sondern Unwissen ist, kommen wir gar nicht. Wenn wir beispielsweise der Teillehre von anattā zum ersten Mal begegnen und uns ein Mönch sagt, es gäbe gar kein Selbst, es gäbe gar kein Ich, dann lehnen wir seine Aussage automatisch ab, denn wir erleben das Selbst ständig, auch im Moment in dem der Mönch uns unterrichtet, dass  es gar kein Ich gibt. Ich mag mich noch gut daran erinnern, wie sich mir damals die Nackenhaare aufstellten.

So ergeht es uns mit sehr vielen Teillehren, sie behaupten das Gegenteil von dem, was wir als richtig ansehen. Wir halten Essen, gerade wenn es unser Lieblingsessen ist, als sukkha, "Ich bin mein Körper" ist eben so selbstverständlich wie René Descartes Ausruf: "Ich denke, also bin ich!" und dass unser Körper von oben bis unten, sowohl innen wie aussen asubbha ist, das bestreiten wir auch, mindestens in Gedanken.

Zusammengefasst, grosse Teile des dhamma-vinaya lehnen wir ab. Die Ablehnung ist aber eine Unterform von Hass. ist Euch das schon aufgefallen? Wie kann ich etwas als wahr, als richtig annehmen, wenn ich es ablehne, vielleicht sogar hasse? Die Antwort ist ganz einfach, es geht nicht. Wir blockieren uns den Zugang zur Wahrheit selbst.

Einmal, vor vielen Jahren, habe ich einer Frau von dukkha erzählt, weil sie mir ihr Leid berichtet hat. Während ich erzählte hat sie zu weinen begonnen. Als ich geschlossen habe hat sie sich geschnäuzt, mich angesehen und gesagt: "Mir geht es gut, ich habe kein dukkha". 

Ein ander Mal hat ein Mann behauptet, es gäbe kein Himmel und keine Hölle, das seien Hirngespinste religiöser Spinner. Der Mann war mal buddhistischer Mönch, wenn auch nur für wenige Tage. Auf die Verneinung von Himmel und Hölle kommt er, weil er am gleichen Tag zweimal gestorben ist und wiederbelebt wurde. Er sah während der Zeit, wo er tot war, weder Himmel noch Hölle und auch nicht das weisse Licht, von welchem Menschen mit Nahtoderfahrungen manchmal berichten. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass dies kein Beweis für die Nichtexistenz von Himmel und Hölle ist, wurde er unflätig und beleidigend.

Ein anderer Mann kam mich hier im Kloster besuchen, er berichtet von seinem 'Wissen' welches er sich aus psychologischen und esoterischen Büchern angelesen hatte und zitierte auch oft seinen Vater, den er ganz offensichtlich für dessen 'Weisheit' bewundert. Als ich ihn stoppte und sagte, er sähe alles aus einem schiefen Winkel, wurde auch er unflätig, beleidigend und beschimpfte mich sogar.

Die zwei letzten Beispiele zeigen mir ganz deutlich auf, dass wir Menschen, selbst wenn wir gebildet sind, eine durchschnittliche bis hohe Intelligenz aufweisen und vermutlich eine gute Kinderstube genossen haben, uns selbst vergessen, wenn es darum geht, unsere Ansichten und Meinungen zu verteidigen. Bei beiden Männern ist es mehr als Ablehnung, bei beiden kann man schon von Hass sprechen, auch wenn sie mich körperlich nicht zu nahe getreten sind.

Buddhistisch gesehen hat bei allen Dreien das Ego, die kilesa, das Kommando übernommen, sonst hätten sie sich zurück gehalten. Wir müssen unsere Einstellung ständig hinterfragen, wenn wir uns weiter entwickeln wollen und es gibt in jedem kontemplativen Leben Situationen oder gar Phasen, so wie die Zurückhaltung mit aller Macht tun müssen. Um uns belehrbar zu machen müssen wir doch, wie im ersten Beispiel der Fahrschüler, davon ausgehen, dass wir nichts wissen. Oder wie ich es oft ausdrücke, dass wir dumm sind.

Je besser es uns zu Beginn gelingt, uns von bisherigen Ansichten und Meinungen zu öffnen, desto belehrbarer machen wir uns. All die falschen Ansichten und falschen Meinungen haben ja letztlich nur einen Zweck, unser Ego zu bilden. Je stärker wir unserem Ego vertrauen und folgen, desto unbelehrbarer sind wir. Ein guter Lehrer wird uns dabei helfen, das Ego als Illusion zu erkennen. Er wird uns mal zart, mal hart auf den richtigen Weg bringen. Eigentlich ist es ganz einfach, wir müssen nur das tun, was er uns aufgibt. Während dem Tun sehen wir automatisch, ob er Recht hat oder nicht. Wenn uns der Lehrer sagt, dass wir nach Norden gehen sollen und dann nach zwei Kilometern ein Stein am rechten Wegesrand kommt und von dort aus wir nach weiteren hundert Metern bei einer Kreuzung sind, wo wir rechts abbiegen müssen, dann können wir während dem Gehen überprüfen, ob da ein Stein ist und ob die Kreuzung kommt. Je weiter wir nach seinen Anweisungen gehen, desto mehr Fakten haben wir überprüft und für richtig befunden. Das stärkt unser Vertrauen in die Lehre, das Vertrauen in Buddha, Dhamma, Sangha und in unseren Lehrer.