Immer wieder schreibe ich über die Symbiose zwischen Mönchen und Laien sowie Laien und Mönchen. Aber, was bitte schön ist eine Symbiose? Und weshalb hat der Erhabene Buddha dieser Symbiose so hohen Stellenwert eingeräumt?

Wenn wir einen Blick auf das Wort Symbiose werfen, dann kommen von verschiedenen Quellen her, folgende Definitionen und Erklärungen zustande:

  • Zusammenleben zweiter Lebewesen verschiedener Arten zu beiderseitigem Vorteil;
  • Symbiose (griechisch sym und bios) = zusammen und Leben
  • Wechselseitige Abhängigkeit
  • Der eine hat Dies, der andere hat Das, zusammen haben sie Dies und Das

Wir Waldmönche orientieren uns, so eng wie es heutzutage (noch) möglich ist, am vinaya, dem Mönchskodex des Erhabenen Buddhas. Im Palikanon ist an verschiedenen Stellen nachzulesen, dass Mönche Hauslose sind, sie haben ihren Hausstand aufgegeben und sind als Bettler in die Armut gezogen. Bhikkhu kann auch als Bettler übersetzt werden, solange wir im Hinterkopf behalten, dass ein Bhikkhu nicht offen betteln darf. So ziehen wir beispielsweise jeden Morgen auf der Almosenrunde durch ein Dorf, aber unsere Almosenschale haben wir unter der Robe verboren. Sprechen ist uns untersagt, so können wir nicht den Laien zurufen, sie sollen uns Almosenspeisen spenden. Der Blick ist beim Gehen auf die Strasse, etwa einen Meter vor uns, gesenkt und während dem wir Almosen empfangen, ist der Blick auf die eigene Almosenschale gerichtet. So können wir auch nicht mit Gesten oder Blicken um unser täglich Reis betteln.

Diese und viele weitere Regeln engen uns Mönche in der Selbstständigkeit ein. Es scheint so, als wolle der Erhabene Buddha, dass wir nur dann existieren können, wenn es Laien gibt, die zumindest Grosszügigkeit praktizieren. Denn gerade in der Versorgung mit lebenswichtigen Dingen, sind unsere Freiheiten sehr stark beschnitten. Es ist uns nicht erlaubt, einen Garten anzulegen, wir dürfen nicht ernten und kochen ist uns auch untersagt.

Wenn wir in einem Kloster leben, dann dürfen wir keine Blumen pflücken, kein Rasen mähen, keine Bäume und Hecken beschneiden und auch keine Bäume fällen. Wir dürfen in dem Falle noch nicht mal Laien darum bitten, dies für uns zu tun. Dies muss den Laien in den Sinn kommen und sie müssen es dann auch selbst tun. Mit diesen wenigen Beispielen will ich aufzeigen, dass ein Bhikkhu auf Laien angewiesen ist, weil sie etwas haben, was er nicht hat, respektive sie können etwas tun, was er nicht tun darf. Die Symbiose Laie zu Mönch ist damit erklärt.

Auf der anderen Seite haben wir die Symbiose Mönch zu Laie und diese Symbiose ist schwieriger zu erklären, weil sie weit in die Tiefen des Dhamma geht, dorthin wo selten ein Laie wirklich hinkommt. Dennoch will ich versuchen, es so anschaulich wie möglich zu erklären.

Erstens schauen wir mal an, was hat der Bhikkhu, was der Laie nicht hat:

- Praxiserfahrung. Wir Waldmönche spezialisieren und auf das citta-bhāvanā, das Geistestraining;
- Reinheit des Herzens: Spätestens alle vierzehn Tage, am Tage wo die pātimokkha rezitiert wird, sind wir von allen Verfehlungen rein;
- Entwicklung und Teilung von mettā und karunā;
- Wir geben den Laien die Möglichkeit, an uns die wertvollste Art von Grosszügigkeit und Tugend zu tätigen und zu entwickeln;
- Wir leben Harmonie, Wohlwollen, Mitleid, Kritiklosigkeit, Achtsamkeit, Geistesruhe, Grosszügigkeit, Tugend, etc. vor;

Ein jeder Laie mag den einen Punkt mehr gewichten als den anderen, das mag individuell verschieden sein. Hier soll es aber nicht gewichtet werden, sondern so neutral wie möglich dargelegt werden.

Die Praxiserfahrung spricht für sich. Die dauernde und Dauerhafte citta-bhāvanā, Tag für Tag, ohne Unterbruch, auch nicht am Sonntag oder am Buddhatag, entwickelt eine Kraft, die ich als Laie nie hinbekommen habe. Ab einem gewissen Punkt wir einiges des Geistestrainings zu einem Selbstläufer und es scheint so, als würde sich der Geist selbst schulen, sogar im Schlaf. So sind wir dann reich an Erfahrung und können auf sehr viele Probleme des weltlichen Alltags von Laien einen Lösungsansatz bieten.

Die Reinheit des Herzens muss vielleicht ein wenig erklärt werden. Sinngemäss rät uns der Erhabene Buddha, dass wir uns mit guten Menschen abgeben. Zwar sagt er es umgekehrt, nämlich, wir sollen uns von Idioten fern halten. Wobei er nicht Idiot gesagt hat, aber so habe ich mir damals diesen Rat gemerkt, so steckt er noch heute in meiner Erinnerung. Wenn wir uns also von schlechten Menschen fern halten sollen, dann können wir die sīla als Massstab nehmen. Wer sich ernsthaft in der sīla übt, der soll unser Weggefährte sein, von allen anderen halte ich mich fern. Aus diesem Blickwinkel gibt es demnach nichts wertvolleres, als dass sich Laien den Mönchen zuwenden. Die Mönche haben die Reinheit des Herzens und können zum Vorbild genommen werden. Zudem ist es sehr angenehm mit Menschen zusammen zu sein, bei denen nie ein schlechtes oder böses Wort über die Lippen kommt.

Teilen von mettā und karunā ist bereits eine Angelegenheit, die wir nur als erfahrende Praktizierende nachvollziehen können. Bis ihr soweit seid, empfehle ich, mit Glauben und Vertrauen an dieses Thema heran zu gehen. Wir teilen oft unser kamma, unser mettā und unser karunā mit allen Wesen. Diese Teilung erfolgt nach einer gewissen Regel, die ich nicht im Detail erläutern kann. Je enger, je näher mir ein Wesen steht, desto mehr bekommt es von der Teilung ab. Das heisst, die direkt Blutsverwandten, erhalten am meisten, Wesen mit denen ich noch nie Kontakt hatte, auch in früheren Leben nicht, erhalten am wenigsten. Wer wie viel abbekommt, kann ich nicht beeinflussen, zumindest wär mir so ein Akt der Beeinflussung nicht bekannt. Ihr könnt aber, indem ihr die Nähe eines Waldmönchen sucht, Euch selber in eine Position bringen, wo ihr mehr erhält, als jetzt.

Grosszügigkeit gegenüber Buddha, Dhamma und Sangha ist die qualitativ beste Grosszügigkeit. Wenn wir das vom Blickwinkel kamma erklären, dann ist diese Art von Freigiebigkeit das beste kamma, welches wir tun können. Da ich sowohl über kamma, als auch über Grosszügigkeit an anderer Stelle ausführlich geschrieben habe, möchte ich es bei diesem Hinweis belassen.

Bleibt noch der letzte Punkt, das Vorleben heilsamer Eigenschaften. Wir Menschen lernen auf verschiedene Art und Weise. Die eine Art ist, dass wir andere kopieren. Ein Kleinkind beispielsweise kopiert sehr viel. Auch wir Erwachsenen kopieren, meist unbewusst. Das alleine würde eigentlich schon Grund genug sein, aber einige Gedanken habe ich noch. Wenn wir die obigen Qualitäten nochmals wiederholen, Harmonie, Wohlwollen, Mitleid, Kritiklosigkeit, Achtsamkeit, Geistesruhe, Grosszügigkeit, Tugend, usw., dann können wir feststellen, dass alle diese Eigenschaften ein gutes Gefühl in unserem Herzen auslösen. Wir wollen uns doch gut fühlen, die Symbiose zwischen Laien und Mönch gibt genau das her. Je öfter wir uns in die Situation begeben, wo diese Qualitäten alles andere überragt, desto mehr können wir uns diesen Eigenschaften habhaft werden, desto mehr beginnen wir ihnen zu gleichen. Und je wohler wir uns fühlen, desto weniger haben wir das Bedürfnis, schlechtes kamma zu tätigen.

Natürlich ist meiner Erklärung von Symbiose im Verhältnis Laie zu Mönch und Mönch zu Laie für Euch nichts weiter als Theorie, ihr konntet sie noch nicht überprüfen. Ob ihr sie überprüfen wollt, hängt ganz alleine von Euch ab, niemand hindert Euch daran, nur Ihr selbst.