Dukkha wird leider als Leiden ins Deutsche übersetzt, was bei uns zu Missverständnis und Irritation führt. Klar, in seiner schlimmsten Ausprägung ist dukkha, Kummer, Klagen, Schmerz, Trauer und Verzweiflung, so wie wir es tagtäglich bei der Morgenandacht rezitieren. Ja, das ist auch dukkha. Wenn wir aber nur das als dukkha definieren, dann entsteht eine falsche Ansicht. Denn Langeweile, Rastlosigkeit, Unzufriedenheit bis hin zur nicht gänzlich zufriedenstellend, das ist eben auch dukkha

Nachfolgend habe ich einen älteren, längeren Text eigestellt, der sich mit dukkha im Zusammenhang mit den vier Edlen Wahrheiten befasst. 


Die vier Edlen Wahrheiten handeln von Dukkha. Manchmal, wenn ich Texte zu dem Thema lese, dann kommt es mir vor, als sei das recht einfach, um nicht banal zu sagen. Doch wenn es so einfach wäre, warum haben wir die vier Stufen der Erwachung noch nicht erklommen? Die Antwort ist so simpel. Ich habe Dukkha noch nicht verstanden, ich habe die Entstehung von Dukkha noch nicht verstanden, ich habe das Ende von Dukkha noch nicht verstanden und ich habe den Weg, der zum Ende von Dukkha führt, noch nicht verstanden.

Das Verstehen, welches ich hier anspreche hat nichts mit einem verstandesmässigen Verstehen zu tun. Mein Verstand hat Dukkha erfasst, nur ist es noch nicht tief genug eingedrungen, damit es aufgelöst wird. Jedoch bin ich zuversichtlich, dass wenn ich den eingeschlagenen Weg konsequent und kompromisslos weitergehe, am Ende des Weges Dukkha verstanden wurde, die Entstehung von Dukkha verstanden wurde, das Ende von Dukkha verstanden wurde und den Weg, der zum Ende von Dukkha führt, verstanden wurde.

Eine jeder der vier Edlen Wahrheiten beinhaltet drei Aspekte, die verstanden werden müssen. Schauen wir uns die mal genauer an.

Dukkha in der ersten Edlen Wahrheit

Dies nun, ihr Mönche, ist die Edle Wahrheit von Dukkha: Geburt ist Dukkha, Alter ist Dukkha, Krankheit ist Dukkha, Sterben ist Dukkha, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsinn und Verzweiflung sind Dukkha; vereint sein mit Unliebem ist Dukkha, getrennt sein von Liebem ist Dukkha; was man verlangt, nicht erlangen, ist Dukkha. Kurz gesagt: die fünf Faktoren des Ergreifens sind Dukkha. Dies ist die Edle Wahrheit von Dukkha: dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. Diese edle Wahrheit von Dukkha ist nun zu durchschauen, dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. Diese Edle Wahrheit von Dukkha habe ich nun durchschaut, dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf.

[Samyutta-Nikaya (= Angereihte Sammlung), LVI, 11]

Die drei Aspekte sind:  

  • Da ist Dukkha
  • Dukkha sollte verstanden werden
  • Dukkha wurde verstanden

Dukkha kann von groben Dingen wie Zahnschmerzen, bis zu ganz ganz feinen Dinge wie nicht 100 % zufrieden sein, gehen. Im ersten Aspekt, da ist Dukkha, geht es auch darum, Dukkha überhaupt als Dukkha zu erkennen. Je feiner Dukkha ist, desto schwieriger ist es als Dukkha zu identifizieren.

Wenn ich Dukkha verspüre, und das tue ich mehrmal täglich, dann schaue ich mir das Dukkha mal genauer an. In meinen ersten zwei Monaten taten mir die Beine, die Knie und die Hüften weh, weil ein Mönch am Boden sitzt und zwar mit einem Bein vor dem Körper, wie beim Schneidersitz, das andere Bein ist seitlich des Körpers nach hinten geklappt. Das war für mich sehr grobes Dukkha. Und wenn ich beispielsweise bei einer Zeremonie genau so dasass und Dukkha aufkam, dann versuchte ich dieses Dukkha nicht etwa schnellstmöglichst loszuwerden. Vielmehr nach ich die Chance wahr, das Dukkha zu analysieren, beispielsweise indem ich es zu lokalisieren versuchte. Nun, wenn das linke Knie schmerzt, dann ist nicht das ganze Knie am Schmerzen, sondern nur ein Teil. Also habe ich mich auf die Suche nach dem konkreten Ort des Schmerzes gemacht. Ein anderes Mal habe ich versucht, den Schmerz als solches anzuschauen und mir die Frage zu beantworten, was Schmerz ganz genau ist. Wie fühlt sich Schmerz an? Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele, die ich hier niederschreiben könnte, Dukkha ist ja ein sehr weites Feld von Möglichkeiten. Hier geht es aber nicht um eine Aufzählung möglicher Dukkhas, sondern darum zu erkennen, wie man Dukkha verstehen kann, denn wir sind beim zweiten Aspekt, Dukkha sollte verstanden werden.

Der dritte Aspekt, Dukkha wurde verstanden, stellt sich bei jeder vollständigen Untersuchung des gerade vorherrschenden Dukkha ein. Ihr seht, mir wird es wahrlich nicht langweilig hier im Kloster (lach). Laien, die mich unterstützen sind bestrebt, mir mein Leben so bequem wie möglich zu machen. Sie fragen mich, was ich gerne esse und trinke, oder ob ich mir nicht eine Matratze zulegen wolle, damit ich weicher schlafen kann, oder geben mir den Rat, nicht so hart zu praktizieren, oder oder oder. Das ist sehr lieb gemeint und auch eine heilsame Einstellung dieser Laien. Nur würde ich das alles umsetzen, dann würde ich mich des Dukkha entziehen und schon vor der ersten Edlen Wahrheit fliehen. Und wie sagte Ajahn Chah (ein Arahant [vollständig Erwachter], der den berühmten Wat Pah Pong, das internationale Waldkloster Wat Pah Nanachat und viele Zweigklöster auf der ganzen Welt gründete):

"Wir werden nicht Mönche um gut zu essen, gut zu schlafen und konfortabel zu leben, sondern um Dukkha zu kennen und um zu wissen, wie man es nicht verursacht."

Dukkha kann man nur dann verstehen, wenn man Dukkha hat.

Wirklich einschneidend war die Erkenntnis, dass ich das Dukkha nicht als mein Dukkha, oder noch schlimmer als ich Dukkha feststellte. Das erforderte einiges an Achtsamkeit, damit ich mich nicht mit  Dukkha identifiziere, oder gar denke, ich selbst sei Dukkha. Es ist ja nicht mein Schmerz, denn wäre er mein, so könnte ich ihn wegschicken. Es ist nicht mein gutes Gefühl, denn sonst könnte ich es für immer und ewig bei mir behalten. Wenn ich also Dukkha erkenne, dann benenne ich es neutral als: "Da ist Dukkha."

Dukkha in der zweiten Edlen Wahrheit

Dies nun, ihr Mönche, ist die Edle Wahrheit von der Leidensentwicklung: Es ist dieser Durst, der Wiederdasein säende, Genügensreizverbundene, dort und dort sich ergötzende, nämlich der sinnliche Durst, der Daseinsdurst, der Nichtseinsdurst. Wodurch entsteht und gedeiht dieser Durst? Wo immer etwas ist, das liebenswert und erfreulich scheint, da entsteht und gedeiht dieser Durst. Dies ist die Edle Wahrheit von der Leidensentwicklung: dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. Diese Edle Wahrheit ist nun zu durchschauen durch das Aufgeben der Leidensentwicklung ... Diese Edle Wahrheit habe ich nun durchschaut durch das Aufgeben der Leidensentwicklung: dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf.

[Samyutta-Nikaya (= Angereihte Sammlung), LVI, 11]

Die drei Aspekte der zweiten Edlen Wahrheit sind:

  • Der Ursprung des Dukkha ist das Upādāna am Tanhā
  • Upādāna sollte losgelassen werden
  • Upādāna wurde losgelassen

Zuerst müssen wir uns klar werden, was Anhaften an Verlangen ist. In Pali nennt man es Tanhā (Verlangen, Begehren, blindes Wollen, törichtes Wünschen). Tanhā entsteht aus Vedanā (Gefühl, Empfindung). Es gibt drei Arten von Vedanā (Wohlgefühl, Wehgefühl und weder Wohl-, noch Wehgefühl). Das Wohlgefühl und das Wehgefühl lässt ein Tanhā entstehen. Bei einem Wohlgefühl wird Tanhā mehr von dem wollen. Bei einem Wehgefühl will Tanhā das nicht haben. Ja, auch etwas nicht haben zu wollen ist Tanhā. Sowohl auf Vedanā, als auch Tanhā haben wir keinen direkten Einfluss, sie sind Konstrukte aus vergangenem Kamma. Aus Tanhā entsteht Upādāna (Anhaften, Festhalten, Anklammern: Töricht an etwas festhalten, Dinge als „Ich“ oder „mein“ betrachten, Dinge persönlich zu nehmen). Upādāna ist Kamma. Hier bei Upādāna haben wir die Wahl, wohin unser Weg gehen soll. Genauer gehe ich darauf im Text über die zwölf Glieder der bedingten Entstehung ein.

Upādāna kann man an verschiedenen Dingen, das geht von materiellen Sachen über geistige Konzepte und endet mit dem eigenen Körper beim Tod. Der Mensch ist ja ein Sammler, manchmal erschrecke ich mich, wie schnell ich Dinge anhäufe. Als ich hier Mönch wurde, bekam ich Zugang zu unserem Lager, wo verschiedene gespendete Sachen aufbewahrt wurden. Am ersten Tag interessierte es mich nicht weiter, ich hatte ja alles bereits bekommen, was ich benötige. Am dritten Tag ging ich ins Lager. Nicht weil ich etwas bestimmtes brauchte, sondern weil ich schauen wollte, was dort alles gelagert ist und was ich von diesen Sachen auch noch brauchen könnte. Es war also nicht ein Mangel an einem bestimmten Gegenstand wie etwa einer Zahnbürste, sondern offensichtlich ein Tanhā, welches mich in die Irre führen wollte. Das ist vergleichbar mit dem Vorgang des Einkaufens. Ich hatte im weltlichen Leben immer ein Zettel in der Küche liegen. Wenn ich merkte, dass mir in kürze das Salz aufgeht, habe ich es auf dem Zettel notiert und konnte dann gezielt einkaufen gehen. Noch früher ging ich einfach einkaufen und sah natürlich sehr viele Dinge, die ich auch kaufte. Nur, Zuhause zeigte es sich dann, dass ich es nicht wirklich brauche, oder dass ich zuviel von diesem oder jenem eingekauft hatte. Auch hier nur zwei Beispiele von sehr vielen, lassen wir uns dadurch in unserem Beobachten von Upādāna nicht einschränken. 

Der zweite Aspekt lautet: Upādāna sollte losgelassen werden, nur wie kann man loslassen? Das loslassen als solches geschieht letztendlich von alleine. Was wir in der zweiten Edlen Wahrheit tun können ist, das wiederkehrende Upādāna zu kontemplieren. Wenn in uns drin der Gedanke kommt, "Ich will so sein", "Ich will nicht so sein", "Er sollte nicht so sein", "Ich habe Recht und sie unrecht", "Noch mehr von dem", "Weg mit diesem", dann kontemplieren wir das, was gedacht wurde. Die Fragestellung warum, ist dabei nicht zu vernachlässigen. Warum bin ich eifersüchtig? Warum bin ich geltungssüchtig? Warum bin ich gierig auf dies? Warum fühle ich mich schlecht? Warum halte ich fest? Je mehr wir das Festhalten kontemplieren und untersuchen, desto stärker wird die Einsicht: „Upādāna sollte losgelassen werden.“ Und plötzlich wurde losgelassen. Oft nur eine Einzelheit, aber in diesem Bereich Wunder erwarten ist ja ein Upādāna in sich selbst.

Dukkha in der dritten Edlen Wahrheit

Dies nun, ihr Mönche, ist die Edle Wahrheit von der Leidensauflösung: Es ist eben dieses Durstes restlose Entreizung und Auflösung, von ihm zurücktreten, ihn loslassen, sich von ihm lösen, nicht mehr an ihm haften. Aber wie kann dieser Durst aufgegeben und aufgelöst werden? Wo immer etwas ist, das liebenswert und erfreulich erscheint, da wird der Durst aufgegeben und aufgelöst. Dies ist die Edle Wahrheit von der Leidensauflösung: dabei ging mir, ihr Mönche, das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. Diese Edle Wahrheit ist nun zu durchschauen durch die Verwirklichung der Leidensauflösung ... Diese Edle Wahrheit habe ich nun durchschaut durch die Verwirklichung der Leidensauflösung: dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf.

[Samyutta-Nikaya (= Angereihte Sammlung), LVI, 11]

Die drei Aspekte der dritten Edlen Wahrheit sind:

  • Da ist das Ende von Dukkha 
  • Das Ende von Dukkha sollte verwirklicht werden 
  • Das Ende von Dukkha wurde verwirklicht

Wenn wir also wie bei der zweiten Edlen Wahrheit schon angefangen, bei der dritten auch kontemplieren und uns kritisch fragen: Warum ist dieses so? Warum ist jenes so?, dann kommen wir dem Ende ein ganzes Stück näher. Denn plötzlich lassen wir irrige Meinungen los, beispielsweise jene, dass Geld glücklich macht. Oder jene, dass Dukkha unglücklich macht. Oder wir sehen ein, dass ein Festhalten am Selbst, an ICH und MEIN wirklich keinen Sinn ergibt. Die Lehre ist ja immer als Ganzes zu betrachten, in allem steckt Anicca (Wandel), steckt Anattā (Nicht-Selbst), und deshalb entsteht Dukkha. Es sei denn, wir akzeptieren die Dinge genau so, wie sie sind.

Hier im Kloster haben wir sehr viele Hühner und Hähne, Katzen und Hunde. 2008 machten vor allem die Hunde einen grossen Lärm, weil sie sofort bellten, wenn ein fremder Mönch oder ein Laie ins Kloster kam. 2014 haben wir immer noch Hunde hier, nur sind es andere Hunde. Diese hier bellen sehr viel weniger, Anicca. 2008 hatte ich mein Kuti an einem anderen Ort, wo es für Hühner viel weniger zu fressen gibt wie jetzt 2014, wo ich am Wald lebe. Anstatt der bellenden Hunde wie 2008, störten mich die Hühner mit ihren Gackern. Aber dann überlegte ich mir, was und wer stört. Als ich dann endlich ehrlich war, lautete die Antwort, dass etwas in mir drin sich gestört fühlen will und sich da natürlich das Krähen der Hühner als willkommener, aber dennoch vorgeschobener Grund anerbot. 

2008, mit den bellenden Hunden, habe ich einfach nicht so weit gedacht, als dass ich das Ende von Dukkha herbeiführen konnte. Jetzt, anfangs März 2014, ist der Lärm kein Thema mehr. Er ist zwar immer noch da, aber das Dukkha ist weg. Das gleiche ist mit den Schmerzen in meinem Knie. Die sind immer noch da, wenn auch viel schwächer als vor Monaten. Aber die Schmerzen sind weder ich noch mein. Sie sind da wie die Nase im Gesicht, wie die fünf Finger an meiner linken Hand, wie die Flasche Wasser, die auf meinem Tisch steht. 

Wenn wir so üben, in kleinen Schritten, dann werden die Schritte automatisch immer grösser und ebenso automatisch nähern wir uns den nicht nur dem Ende eines einzelnen Dukkha, sondern dem Ende von Dukkha selbst.

Dukkha in der vierten Edlen Wahrheit

Dies nun, ihr Mönche, ist die Edle Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Vorgehen: Es ist eben dieser Edle Achtfältige Pfad, nämlich Rechte Erkenntnis, Rechter Entschluss, Rechte Rede, Rechtes Handeln, Rechter Lebenserwerb, Rechtes Bemühen, Rechte Achtsamkeit, Rechte Sammlung. Dies ist die Edle Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Vorgehen: dabei ging mir, ihr Mönche, das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. Diese Edle Wahrheit ist nun zu durchschauen durch das Entfalten des Pfades: ... Diese Edle Wahrheit habe ich nun durchschaut durch das Entfalten des Pfades: dabei ging mir, ihr Mönche, das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf.

[Samyutta Nikaya (= Angereihte Sammlung),LVI, 11]

Die drei Aspekte der vierten Edlen Wahrheit sind:

  • Da ist der Achtfache Pfad, der Weg, der aus dem Leiden herausführt
  • Dieser Pfad sollte verwirklicht werden
  • Dieser Pfad wurde voll und ganz verwirklicht

Der Achtfache Pfad unterteilt sich in drei Hauptthemen Paññā, Sīla, Samadhi.

Paññā bedeutet Weisheit, Einsicht, intuitive Erkenntnis, Richtiges Verständnis der Dinge und beinhaltet zwei Pfadglieder:

  • Rechts Verstehen
  • Rechte Absicht

Sīla habe ich eine eigene Seite gewidmet und beinhaltet drei Pfadglieder:

  • Rechte Rede
  • Rechtes Handeln
  • Rechter Lebenserwerb

Samādhi bedeutet Konzentration, Sammlung, das Sammeln und Ausrichten des geistigen Flusses und beinhaltet 3 Pfadglieder:

  • Rechte Anstrengung
  • Rechte Achtsamkeit
  • Rechte Konzentration

Die einzelnen Pfadgliedern mit ihrer Bedeutung habe ich schon im entsprechenden Beitrag beschrieben. Samādhi ist in den 50er Beiträgen detaillierter erklärt. Mir erscheint wichtig darauf hinzuweisen, dass man nicht einzelne Dinge aus dem Achtfachen Pfad herauspicken kann, nur weil man die anderen nicht umsetzen will. Ohne Samādhi keine Paññā und keine Sīla, ohne Paññā keine Sīla und kein Samādhi und ohne Sīla keine Paññā und kein Samādhi. Die drei sind gleichberechtigt und bedingen sich gegenseitig.

Klar können wir ohne Samādhi Paññā entwickeln, aber nicht in der Qualität, wie wir sie benötigen. Nehmen wir das Beispiel Rechte Rede, worin es nicht nur um lügen oder nicht lügen geht. Wie viele unserer täglichen Gespräche enthalten reines Waschweibergeschwätz, voll von Vermutungen, Spekulationen und Blabla? Wir sind uns dessen nicht mal bewusst, weil wir einfach drauf los sprechen. Ohne die rechte Achtsamkeit sind wir uns nicht gewahr, was aus unserem Mund kommt. Es hat schon seine Gründe, weshalb sich buddhistische Mönche zurückziehen und sich abschotten. Wir leben nach dem Grundsatz, lieber etwas nicht sagen, als etwas zu viel. Laien können sich dem Geschwätz schlechter entziehen. Ich erinnere mich an die Pausen während der Arbeit, wo meine Berufskollegen jeweils die neuesten Meldungen aus der Boulevardpresse diskutierten. Damals habe ich mir die Frage gestellt, was mir fehlen würde, wenn ich keine Zeitungen mehr lesen würde, im TV und Radio keine Nachrichten mehr verfolgen würde. Die Antwort war ernüchternd. Zuerst wehrte ich mich dagegen, es ist doch wichtig auf dem Stand der Dinge zu sein. Aber irgend eine buddhistische Stimme in mir meinte, das alles in den Nachrichten würde mich sowieso nicht betreffen.

Dann erinnerte ich mich an meine Grossmutter und an meine Mutter zurück, welche Seiten sie in der Tageszeitung jeweils aufschlugen. Übrigens, sie sind da nicht die einzigen. Eine wissenschaftliche Studie hat herausgefunden, dass die Todesanzeigen die am öftesten zuerst gelesene Seite in der Zeitung ist. So langsam begann ich zu begreifen, wie die einzelnen Pfadglieder miteinander vernetzt sind und gegenseitig aufeinander aufbauen.

Oder der ganze Bereich Samādhi. Wenn beispielsweise schlecht gehandelt wurde, dann haben wir ein schlechtes Gewissen. Ich spreche hier nicht von eingeredetem schlechten Gewissen, sondern von dem schlechten Gewissen, dass auf ehrlicher Reue beruht. In unseren Gedanken schwirren dann Dinge herum, wir sind nervös, manche knirschen sogar mit den Zähnen, so sehr haben sie daran zu beissen. Ja wie in aller Welt will man mit solch einem HerzGeist in die Ruhe, Achtsamkeit und Konzentration kommen. Wer aber ein reines Gewissen hat, der findet sich bei der Ausübung von Samādhi schnell in einer Verfassung, die zielgerichtetes meditieren zulässt. 

Zum Schluss kann ich nur empfehlen, sofort damit anzufangen, den Achtfachen Pfad zu entfalten. Je mehr er sich entfaltet, desto höher wird die Qualität des Lebens. Je höher die Qualität des Lebens wird, desto mehr Freude haben wir. Je mehr Freude wir haben, desto mehr Anstrengung und Willen wenden wir auf, den Achtfachen Pfad zu entfalten und dadurch zeigt wiederum die Qualität des Lebens.