Wir haben mit anicca, anattā und dukkha bereits drei der vier Daseinsmerkmale kennen gelernt. In diesem Artikel wollen wir den Überblick nun vervollständigen und uns asubbha zuwenden. Asubbha fristet in weiten Teilen der buddhistischen Traditionen, ja selbst in einigen Ablegern der Waldtradition ein stiefmütterliches Dasein. Weshalb dem so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn wir uns aber dem Thema zuwenden und in die Tiefe gehen, vor allem und gerade während der Praxis, dann kann ich mir schon denken, weshalb die allermeisten Lehrer asubbha aussen vor lassen. Der Erhabene Buddha hat dieses Thema nicht ausgelassen und für die dhutangā kammatthāna bhikkhus, gehört asubbha bis zur dritten Stufe des Erwachens, dem anāgāmi, zum Praxisalltag.

Asubbha hat zwei Aspekte, die wir uns ansehen wollen, dann verstehen wir auch sofort, was asubbha bedeutet. Da steckt Unschönheit und Unreinheit drin. Während wir alle davon ausgehen, unser Körper sein rein und schön, ist er in der Wirklichkeit unrein und unschön. Das gilt es im Herzen zu verstehen, dann lässt es den Körper los.

Zweitens, wenn immer wir die Übungen mit asubbha durchführen und hartnäckig genug dran bleiben, kommt Hass hoch. Mal in Form von Ekel, mal in Form einer starken Ablehnung, mal in anderen Form, welche wir immer auf Hass zurückführen können. Um den Hass überwinden zu können, müssen wir ihn erst Mal kennen lernen und wissen, wie er entsteht. die Praxis der asubbha holt diesen Hass hervor und da wir uns in der Praxis in einem Laborähnlichen Zustand befinden, kann er nichts anrichten. Voraussetzung ist, dass wir Übungen nur dann durchführen, wenn wir alleine sind. Dies soll auch eine ernstgemeinte Warnung sein. Ein, durch asubbha ausgelöster Hass, kann nicht kontrolliert werden. Er springt ein jeden an, der sich gerade in unserer Nähe befindet. Also bitte, seid hierin vorsichtig. Wenn wir aber alleine sind, der Hass kommt hoch, dann ist er so gewaltig, dass wir ihn wunderbar untersuchen können. Je reiner der Hass ist, je weniger Verblendung zugegen ist, desto klarer sehen wir Hass, seine Zusammensetzung und seine Quelle.

Genau gleich wie bei anicca und anattā, untersuchen wir unseren Körper im Hinblick auf asubbha und subbha. Beginnen tun wir bei den fünf äusseren Teilen des Körpers, dem Kopfhaar, dem Körperhaar, Zähne, Nägel und der Haut. Wenn wir in einem dieser fünf Teile subbha entdecken, dann lassen wir uns noch an der Nase herumführen. Natürlich ist das lange Haar einer Frau wunderschön, aber doch nur wenn es noch am Kopf angewachsen ist. Kaum fällt es uns in die Suppe, erkennen wir asubbha sehr schnell.

Sehr viele Menschen haben einen hohen Grad der Selbstverleugnung, die behaupten nämlich, sie würden die 'inneren Werte' des Partners lieben und nicht etwa das Aussehen. Diesen Selbstbetrug können wir sehr schnell enttarnen, stellt Euch einfach den Partner vor, wie er nackig vor Euch steht und dann zieht im die Haut ab. Wollt Ihr jetzt wirklich diese blutigen Lippen küssen? Oder wollt Ihr diesen hautlosen Körper umarmen? Hand aufs Herz, Ihr wollt Euch das nicht mal vorstellen, da kommt der Hass in Form von Ablehnung und Ekel schon vorher hoch. Und so langsam wird auch klar, weshalb asubbha nur selten gelehrt wird, Ihr wollt es nicht hören und der entsprechende Lehrer auch nicht. Die asubbha Praxis ist gewöhnungsbedürftig, wie man sich daran gewöhnt, erkläre ich in der Praxis. Sie ist aber ein sehr effizientes Mittel in viele Dinge einzusehen, die uns sonst verborgen bleiben.