Ein sehr wichtiger Bestandteil unserer buddhistischen Praxis ist die Großzügigkeit. Mit der Grosszügigkeit können wir den Erfolg unserer Handlungen beeinflussen. Deshalb möchte ich dieses Thema ein wenig detaillierter besprechen als andere Themen.

Geiz ist eine Unterform der drei kilesa und wir teilen den Geiz in die Kategorie der Gier ein. Zuerst möchte ich Euch fragen, ob ihr gerne mit geizigen Menschen zusammen seid? Alleine mit dieser Frage, ist eigentlich schon alles gesagt. Niemand ist gerne mit geizigen Leuten zusammen, noch nicht mal Geizhälse mögen geizige Menschen. Es wird noch dramatischer, denn geizige Menschen mögen nicht mal sich selbst.

Nun ist es so, dass wir zu uns selbst uns genau so verhalten, wie wir uns anderen gegenüber verhalten. Wenn wir gierig und geizig sind, dann wollen wir immer mehr haben, aber nichts weggeben. Wir wollen noch nicht mal unsere schlechten Eigenschaften loslassen und eine falsche Ansicht zu besitzen scheint uns reizvoller zu sein, als keine Ansicht zu haben.

Grobe Formen von Geiz können sehr einfach erkannt werden, den Geiz löst in unserem Herzen ein schlechtes Gefühl aus. Das direkte Gegenteil von Geiz ist die Grosszügigkeit, manchmal auch Freigebigkeit genannt. Im Buddhismus sprechen wir von dāna und ist eine der zehn Vollkommenheiten, welche wir pārami nennen. Grosszügig zu sein geht immer einher mit einem guten Gefühl in unserem Herzen, selbst bei geizigen Menschen.

Grosszügigkeit ist der erste Schritt vom Loslassen. Mir begegnen immer wieder Menschen, die vom Loslassen sprechen. "Du musst loslassen!" ist wohl einer der meisten Ratschläge an Freunde, die gerade in einer Krise stecken. Nur weiss niemand, wie man loslässt. Loslassen ist nämlich gar nicht so einfach, für geizige Menschen kann es gar zur einzigen Lebensaufgabe werden. Wir müssen erkennen, dass wir uns jederzeit im Loslassen und damit in Grosszügigkeit üben müssen. Freigebigkeit umfasst alle Bereiche und Themen unseres Lebens und hat enormen Einfluss auf unsere Psyche und unsere Entwicklung. Ein geiziger Mensch kann noch nicht mal freundlich sein, lieber haftet er an seinem Missmut an, als dass er ihn loslässt. 

Obwohl wir Menschen im weltlichen Leben eine Gier nach materiellen Sachen pflegen, haften wir weit stärker an geistigen Dingen an, nur ist das noch verborgener, als unsere materielle Gier. Das bedeutet, dass es einfacher ist, Materie loszulassen, als etwa Gedanken, Vermutungen, Ansichten und Meinungen. Was für Euch jetzt vielleicht negativ, deprimierend oder gar hoffnungslos erscheint, ist in Wahrheit eine sehr gute Information. Denn sobald wir das erkennen, wissen wir auch, wo wir den Hebel ansetzen können. Wir beginnen, uns in Grosszügigkeit zu üben. Grosszügig sein kann man mit groben Dingen wie Geld, Essen, Kleidung, Büchern, u.s.w. und mündet in feineren Formen wie Respekt, Achtung, Freundlichkeit, Akzeptanz und anderem. Wie wollen wir uns selbst, mit Gier und Hass im Herzen akzeptieren und uns selbst freundlich gegenüber treten, wenn wir nicht grosszügig sind? Und genau so, wie wir uns selbst gegenüber eingestellt sind, so sind wir es auch gegenüber unseren Mitmenschen und unserer Umwelt.

Geiz und sein Gegenteil die Grosszügigkeit sind kamma und ein jedes kamma hat seine vipāka. Gier, Hass und Verblendung arbeiten Hand in Hand und deshalb kann man davon ausgehen, dass je gieriger ein Mensch ist, auch sein Hass zunimmt. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass je grosszügiger jemand ist, desto weniger Hass hat diese Person. Wir können daraus jetzt aber nicht den Trugschluss ziehen, dass wir durch Grosszügigkeit alleine alle Probleme lösen können, dennoch zeigt es sehr deutlich auf, welche zentrale Rolle die Grosszügigkeit in unserer spirituellen Entwicklung einnimmt.

Letztlich möchte ich den Bogen zum Thema Grundlage des Buddhismus spannen und besonders mit dem Thema Hochachtung verbinden. Welchem Ideal wir uns zuwenden und es achten sollte eigentlich für einen Buddhisten klar sein. Das Wort eigentlich schreibe ich deshalb, weil es im deutschsprachigen Buddhismus nicht klar ist. Weder Buddha, Dhamma, Sangha, noch den praktizierenden Mönchen wird Hochachtung entgegen gebracht, was sich natürlich dann auch in der Grosszügigkeit niederschlägt. So kommt es, dass es in Deutschland nur zwei, in der Schweiz nur ein und in Österreich gar kein Waldkloster gibt. Das ist eine sehr traurige Sache und ihr habt mein ganzes Mitleid.