Ein Thema, welches der Erhabene Buddha darlegte, bevor er auf den Kern seiner Lehre zu sprechen kam, ist die Gefahr der Sinnesbegierde, manche übersetzen es auch als Gefahr der Sinnesgenüsse. In der Schule haben wir gelernt, der Mensch hätte fünf Sinne.

  1. Der Sehsinn, der mittels Augen sieht, Farben und Formen wahrnimmt;
  2. Der Hörsinn, der mittels Ohren hört, Geräusche wahrnimmt;
  3. Der Geruchsinn, der mittels Nase riecht, Gerüche wahrnimmt;
  4. Der Geschmackssinn, der mittels Zunge schmeckt, Geschmäcker wahrnimmt;
  5. Der Tastsinn, der mittels Körper spürt, körperliche Gefühle wahrnimmt;

Wir haben also jene fünf Sinne gelernt, die der Erhabene Buddha als körperliche Sinne bezeichnet. Die buddhistische Lehre benennt noch einen sechsten Sinn, nämlich den geistige Sinn, der mittels Denken arbeitet. Wieso unsere Schulen diesen Sinn nicht lehren, ist mir ein Rätsel. Die deutsche Sprache kennt diesen sechsten Sinn. Immer dann nämlich, wenn uns etwas 'nicht in den Sinn' kommen will, werden wir an den geistigen Sinn erinnert. Unsere Sprache kennt auch den siebten Sinn, die Vorahnung. Dies kann nur dann der siebte Sinn sein, wenn vor ihm ein sechsten existiert. Für mich sind solche Beispiele etwas wunderschönes, denn wir haben mit dem Deutschen eine weise Sprache. Daraus dürfen wir nicht ableiten, dass wir, die Benutzer dieser Sprache weise wären, aber unsere Sprache beherbergt durchaus viele buddhistische Weisheiten.

Zurück zu den sechs Sinnen und ihren Begierden, respektive den Genüssen. Darin liegt die Gefahr, dass wir uns nicht auf den Weg der Befreiung machen und die Gefahr, dass wir den Weg der Befreiung wieder verlassen. 

Um der Gefahr auf die Spur zu kommen, müssen wir hinter Genuss und Begierde schauen und genau hinsehen, wer nach sinnlichen Begierden giert? Es ist die Gier, die nach Begierde giert, so komisch das im ersten Moment klingen mag. Und wo die Gier ist, sind Hass und Verblendung nicht weit. Gier, Hass und Verblendung nennen wir in Pali kilesa. Die Gier will, der Hass will nicht und die Verblendung sorgt dafür, dass wir davon nicht mitbekommen. 

Sinnesbegierde und Sinnesgenüsse sind Werkzeuge der kilesa, unserem ärgsten Feind auf dem Weg zur Befreiung. Wenn wir die sīla für Laien genau anschauen, dann hat ein normaler Laien mit den fünf sīla noch keine Einschränkung betreffend Sinnesgenüsse zu erdulden. Wer sich aber dazu entschliesst, zeitweise oder ganz die acht sīla auf sich zu nehmen, der zügelt seine Sinne bereits mit den drei zusätzlichen Regeln und wer sich entscheidet Mönch zu werden, der hat viele weitere Regeln und bei uns Waldmönchen ganz besonders die 13 dhutangā kammatthāna, mit denen er sich schult. Einzelne dieser 13 Übungen können auch für Laien sinnvoll sein, weshalb ich sie unter dem Link Praxis erläutern werde.

Vorerst sollen wir sensibilisiert werden, dass in den Sinnesbegierden Gefahren drinstecken. Beginnen wir genau hinzuschauen, dann erkennen wir sie.