Am 8. Juli 2560 (2017), am Āsālha Pūjā, dem Julivollmond, feiern wir einen der wichtigsten buddhistischen Feiertage, das Ingangsetzen des Dhammarades. Wir gedenken an die erste Lehrrede des Erhabenen Buddha, die er an seine fünf ehemaligen Weggefährten im Hirschpark von Sarnath gegeben hat.

Einen Tag später, treten die Mönche in die dreimonatige buddhistische Regenzeit (Pali: vassa; Thai: Pansa) ein. Die vassa wird manchmal als Fastenzeit bezeichnet, was keinerlei Allgemeingültigkeit hat. Sinn und Zweck der äusseren und inneren Einkehr ist je nach Kloster und Bhikkhu verschieden. Jene, welche nicht andauernd ausschliesslich praktizieren, erhöhen ihre Stundenzahl an Geh- und Sitzmeditation, oder üben sich in anderen Dingen, jene die das ganze Jahr über ihre Tage der Praxis widmen, fahren in gewohntem Rahmen fort. Oft aber, und das ist ratsam, unterstützen wir unsere Praxis mit Übungen der adhitthāna. Adhitthāna ist eines der zehn Vollkommenheiten und kann auf Deutsch als Willensbekundung, Entschlusskraft, Bestimmtheit übersetzt werden.

Nur eins ist wichtig

Bei adhitthāna-Übungen ist nur eine einzig Sache wichtig, die dann aber in sehr hohem Masse. Wir müssen bis zum Schluss durchhalten. Es ist ganz egal was wir uns vornehmen, das was wir uns vornehmen, ziehen wir konsequent durch. Je konsequenter und bestimmter wir in die Übung einsteigen, desto leichter wird es für uns.

Themen

Es macht keinen Sinn, Euch irgendwelche Themen vorzugeben. Deshalb spreche ich selbst auch nie von der buddhistischen Fastenzeit. Solche Themenvorgaben spielen letztlich nur unseren kilesa (Gier, Hass und Verblendung) in die Hände. Ob nun jemand sich dazu entschliesst, während der vassa kein Fleisch zu essen, oder nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich zu nehmen, oder von Schokolade die Finger zu lassen, oder sonstige Themen die man in den Bereich Fasten packen könnte, spielt keine Rolle. Ihr könnt Euch auch dazu entschliessen, jeden Tag gleich nach dem Aufwachen Euch fünf Minuten hinzuknien, jeden Tag einen Kilometer zu joggen, jeden Tag einen bestimmten Palitext zu rezitieren, ein Gedicht oder Palitext auswendig zu lernen, nicht zu fluchen, nicht zu richten, nicht fern zu sehen oder was auch immer.

Das Thema spielt keine Rolle. Wichtig ist und ich wiederhole mich hier ganz bewusst, dass das was wir uns vornehmen, auch 100% umgesetzt wird. Wir müssen dabei aufpassen, dass uns die kilesa nicht mit dem Satz: „Einmal ist keinmal“ aufs Kreuz legen. Denn sobald wir unsere eigene Regel brechen, werden uns die kilesa erpressen, uns ein schlechtes Gewissen machen, unsere Willenskraft kaputt machen. Deshalb gilt, was wir uns vornehmen, das ziehen wir konsequent durch.

Wenig und einfach

Wer sich in adhitthāna üben will, soll wenige Übungen bestimmen, oft macht nur eine Übung über drei Monate mehr Sinn, als sich zu verzetteln. Dann müssen wir zusehen, dass die Übung einfach ist. Weniger ist halt oft mehr.

So ist es zum Beispiel sinnvoller, anstatt gänzlich auf den Morgenkaffee zu verzichten, nur eine, anstelle der gewohnten zwei Tassen zu trinken. Den Schritt zu gar keinen Morgenkaffee vor 10 Uhr, können wir dann später vollziehen.

Fokus auf das Wesentliche

Wenn ihr auf den Kaffee verzichtet, dann geht es nicht darum, dem Körper etwas Gutes zu tun, wir wissen ja nicht, welche Auswirkung Kaffee auf den Körper hat. Das was uns die Wissenschaften von Medizin und Ernährung erzählen, ist reine Spekulation. Uns geht es einzig und alleine darum, die Fremdbestimmung unserer kilesa zu schwächen und dadurch den Geist zu reinigen und zu stärken. Bitte lasst diesen Punkt nie aus den Augen, sonst driftet ihr schnell mal in falsche Ansichten ab, so wie all jene Buddhisten, die behaupten, ein wahrer Buddhist ernähre sich vegetarisch oder gar vegan. Plötzlich stehen wir wie jene im kompletten Widerspruch zum Erhabenen Buddha und zu seiner Lehre, die Lehre der Befreiung.

Solche Gedankenfehler geschehen sehr schnell und ohne wirklich guten Lehrer, können wir sie (kaum) vermeiden. Also bitte, seid wachsam.

Meine guten Gedanken und wünsche sollen Euch durch die dreimonatige Regenzeit begleiten, möge Eure persönliche adhitthāna-Übung ein voller Erfolg werden!

Ehrw. Marco Chantasaro